Parodontitis behandeln, bevor Zähne locker werden
Parodontitis ist die häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter — und sie tut lange nicht weh. Seit 2021 gibt es dafür eine strukturierte Behandlungsstrecke als Kassenleistung.
Anzeichen, die Sie abklären lassen sollten
Zahnfleischbluten ist kein normales Ereignis beim Putzen. Es ist ein Entzündungszeichen.
So läuft die Behandlung ab
- 1 Parodontalstatus Messung der Taschentiefen an jedem Zahn, Blutungspunkte, Röntgenbefund. ca. 40 Min.
- 2 Aufklärung Das Aufklärungs- und Therapiegespräch nach PAR-Richtlinie — Sie sollen verstehen, worum es geht. ca. 30 Min.
- 3 Vorbehandlung Beläge entfernen, Mundhygiene anpassen. Die Hauptbehandlung wirkt sonst schlechter. 1–2 Termine
- 4 Antiinfektiöse Therapie Reinigung der Wurzeloberflächen unter örtlicher Betäubung, meist in zwei Sitzungen. 2 Termine
- 5 Nachsorge (UPT) Feste Kontrolltermine über bis zu drei Jahre — der entscheidende Teil. laufend
Warum Parodontitis mehr ist als ein Zahnfleischproblem
Parodontitis ist eine chronische, bakteriell ausgelöste Entzündung des Zahnhalteapparats. Der Körper reagiert auf den Biofilm am Zahnfleischrand mit einer Entzündungsreaktion, die auf Dauer den Knochen abbaut, der die Zähne hält. Der Prozess läuft schleichend und meist schmerzfrei.
Die Wechselwirkung mit dem Gesamtorganismus ist inzwischen gut untersucht — besonders eindeutig bei Diabetes: Eine behandelte Parodontitis verbessert nachweislich die Blutzuckereinstellung, eine unbehandelte erschwert sie. Wenn Sie Diabetes haben, sagen Sie es uns bitte.
Seit dem 1. Juli 2021 regelt die PAR-Richtlinie eine strukturierte Behandlungsstrecke. Neu daran ist vor allem, dass die Nachsorge über zwei bis drei Jahre fester Bestandteil ist — denn ohne sie hält das Behandlungsergebnis nicht.
Was kostet das?
Die systematische Parodontitisbehandlung nach der PAR-Richtlinie ist Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Vor Beginn stellen wir gemeinsam einen Antrag bei Ihrer Kasse — das gehört zum geregelten Ablauf und ist keine Hürde.
Vor der eigentlichen Therapie steht in der Regel eine gründliche Reinigung. Diese Vorbehandlung ist bei Erwachsenen üblicherweise eine Privatleistung; viele Kassen beteiligen sich daran.
Ergänzende Leistungen wie eine Keimbestimmung oder aufbauende chirurgische Verfahren sind gesondert zu vereinbaren und nur in ausgewählten Fällen sinnvoll.
Kosten und Finanzierung im Detail →Ihr Behandler für diesen Bereich
Roland Madesta Zahnarzt · Gutachter für Prothetik und Parodontose seit 2003Häufige Fragen
Woran merke ich eine Parodontitis?
Häufig an blutendem Zahnfleisch, Mundgeruch, länger wirkenden Zähnen oder empfindlichen Zahnhälsen. Schmerzen treten meist erst spät auf — deshalb bleibt die Erkrankung oft lange unbemerkt.
Ist die Behandlung eine Kassenleistung?
Ja. Seit Juli 2021 gibt es eine eigene Behandlungsstrecke nach der PAR-Richtlinie: Aufklärungs- und Therapiegespräch, antiinfektiöse Therapie und die unterstützende Parodontitistherapie über bis zu drei Jahre sind Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Ein Antrag bei Ihrer Kasse geht dem voraus.
Tut die Behandlung weh?
Die Reinigung der Wurzeloberflächen erfolgt unter örtlicher Betäubung. Danach kann das Zahnfleisch einige Tage empfindlich sein und die Zähne können vorübergehend kälteempfindlich reagieren.
Kann sich zurückgegangenes Zahnfleisch wieder aufbauen?
Verlorener Knochen und zurückgegangenes Zahnfleisch wachsen in aller Regel nicht von selbst nach. Ziel der Behandlung ist, den Verlust zu stoppen. In ausgewählten Fällen sind aufbauende Verfahren möglich — ob das bei Ihnen sinnvoll ist, klärt der Befund.
Warum ist die Nachsorge so wichtig?
Parodontitis ist eine chronische Erkrankung. Ohne regelmäßige Nachsorge kommen die Bakterien zurück und der Abbau geht weiter. Die unterstützende Parodontitistherapie ist deshalb Teil der Behandlung, kein Zusatzangebot.
Hängt Parodontitis mit anderen Erkrankungen zusammen?
Es gibt gut belegte Wechselwirkungen, insbesondere mit Diabetes: Eine unbehandelte Parodontitis erschwert die Blutzuckereinstellung und umgekehrt. Auch in der Schwangerschaft wird auf das Zahnfleisch besonders geachtet.
Ich rauche. Ändert das etwas?
Ja. Rauchen verschlechtert die Durchblutung des Zahnfleischs, maskiert die Blutung als Warnzeichen und verschlechtert die Heilung. Wir sagen Ihnen das, ohne Ihnen Vorhaltungen zu machen.
Zahnfleisch, das blutet, sollte untersucht werden
Der Parodontalstatus dauert etwa 40 Minuten und ist Kassenleistung. Danach wissen Sie, woran Sie sind.